„Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“
Richard von Weizäcker

Das Jahr 1956 markierte für Ernst Jandls Werk nach eigener Auskunft einen „Wendepunkt“. Während er zuvor noch nicht in der Lage gewesen sei, ein Sprechgedicht in der Art von schtzngrmm zu schreiben, fand er mit der prosa aus der flüstergalerie eine neue Schreibmethode. Im Anschluss entstanden vor allem im produktiven Frühjahr 1957 eine Reihe von Arbeiten der experimentellen Literatur, unter ihnen auch schtzngrmm.
„Es (dieses Gedicht) ist objektiv, indem es quasi subjektlos nur Objekte sprechen läßt: Die Waffen des Kriegs.“
Hans Helmut Hiebel
schtzngrmm ist ist eines der ersten so genannten „Sprechgedichte“ Jandls und erschien 1957 in der Maiausgabe der Zeitschrift neue wege. Erst 1966 folgte in Jandls Gedichtband „Laut und Luise“ die erste Buchpublikation. Beide Veröffentlichungen lösten jeweils einen Eklat aus.
„Es dominiert die unerbittliche Gewalt der Kriegsmaschinerie als verselbständigtes, vernichtendes Geräuschgeschehen […] barbarisch im Detail und im Ganzen.“
Hermann Korte
Das Gedicht beruht auf dem einzigen Wort „Schützengraben“, das nach Entfernung aller Vokale und umgangssprachlicher Verschleifung zu schtzngrmm wird. Die Konsonanten setzen sich zu neuen Silben zusammen, die an Maschinengewehrsalven oder Granateneinschläge erinnern und ein lautmalerisches Bild des Grabenkriegs samt abschließendem Tod eines Soldaten zeichnen. schtzngrmm ist neben vater komm erzähl vom krieg eines der bekanntesten Gedichte Jandls über den Krieg und ein häufig zitiertes Beispiel für Konkrete Poesie.
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Schmieds Katze, von Johannes Schmidt. Edition Das Labor 2025

Im Befragen dessen, was Heimat ausmacht, geht es um den Verlust lokaler Identität. 5760 Neheim ist ein affektiv besetzter Ort mit ehemals prägenden Wörtern, Dialekten, Berufsbezeichnungen, ihren Erhebungen und Abgründen, ihrem lokalen Wissen, ihren geheimen Geschichten und Überlieferungen. Die Vertellstückskers zeigen, wie ´Autosoziobiografisches Schreiben` im Hinterland betrieben wird. Im Land der 1000 Berge existieren Tiefenzeiten und Rückzugsräume. Es gibt im Sauerland noch Orte, in denen die Bürger jenseits des medialen Zerstreutseins zu Hause sind, in denen natürlichen Gegebenheiten und geschichtlichem Gewordensein sie mit anderen aufgehen können. Ähnlich wie bei Annie Ernaux steht auch für den Herausgeber Johannes Schmidt die Thematisierung von Klassismus in diesen Erzählungen im Vordergrund. Er verwandelt sich in einen Kehrichtsammler der Tatsachen, die Bagatellen des täglichen Provinzlebens werden in bizarr scheinenden und möglichst unterhaltsamen Geschichten festgehalten.
Weiterführend → Der Herausgeber würdigte den Fotographen Martin Vanselow, dessen Streetphotography er sehr schätzt. Er freut sich über die Zusammenarbeit für diese Online-Publikation weil Vanselow nicht nur faszinierende Bilder aus dem Alltag hervorholt, sondern weil diese Momentaufnahmen nebenher auch großartige Sozialstudien sind.
→ Das Projekt „Schmieds Katze“ ist eine Langzeitgeschichtsschreibung zwischen 2025 – 2035 in Fortsetzungen, Nebensätzen und Neuansätzen. Der Herausgeber trägt eine literatursoziologische Hypothese vor, die der Versuch ist, das Leben im Sauerland in nicht-lineare Momente zu gliedern. Ergänzend erste Überlegungen zum Neologismus Vertellstückskers und dem Aussterben des Suerlands Platt.
Nachtrag: Richard von Weizäcker hielt seine Rede am 8. Mai 1985 (40 Jahre nach dem Ende des 2. Westkriegs) im Plenarsaal vor dem Deutschen Bundestag in Bonn. Alfred Dregger, der damalige Fraktionsvorsitzende von CSU/CDU, hielt ein Jahr nach Richard von Weizsäcker am Volkstrauertag eine gezielte Gegenrede, die in die Forderung mündete, es müsse „endlich Schluss sein mit der uns von den Siegermächten aufgezwungenen Geschichtsbetrachtung.“ 40 Jahre nach der Rede von Richard von Weizäcker sitzt eine Nachfolgepartei der NSDAP im ´Plenarbereich Reichstagsgebäude` dem Sitz des Deutschen Bundestages. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Alternative für Deutschland (AfD) am 02.05.2025 als „gesichert rechtsextremistisch“ ein.