„Pleased to meet you
Hope you guess my name
But what’s puzzlin‘ you
Is the nature of my game“
The Rolling Stones

Johannes Schmidt, geboren 1958 im Bergischen Land. Als Sohn eines Maler- und Anstreichers aufgewachsen in einem proletarischen Haushalt. Lehre als Elektroinstallateur mit einem Gesellenstück als Abschluss.
Kriegsdienstverweigerung, Zivildienst in einer Einrichtung der Behindertenhilfe. Im Anschluss folgte als berufliche Tätigkeit die Betreuung von geistig und körperlich behinderten Menschen.
Geistig verwandt mit Annie Ernaux, die gleichfalls in einem bildungsfernen Haushalt aufwuchs.
Seit 1989 erste Versuche in kurzessayistischer Feuilletonprosa über Trivialmythen, die sich mit B-Movies, Pop, und Rhythm and Blues beschäftigen. Siehe auch die untenstehende weiterführende Verlinkung auf die Artikel im Online-Magazin Kulturnotizen (KUNO).
Als Herausgeber vollzieht sich eine Hinwendung zum ´Autosoziobiografischen Erzählen`. Buchveröffentlichung: „Schmieds Katze“, Edition Das Labor, Neheim 2025
Der Ursprung des Begriffs „Wortschmied“ liegt in der traditionellen Handwerkskunst, bei der Schmiede Metallformen bearbeiteten, um nützliche Gegenstände herzustellen. Ähnlich dazu kann der Wortschmied als jemand betrachtet werden, der durch geschickte Sprache Kunstwerke in Form von Worten schafft. Die Verbindung zwischen Schmied und Sprache ist metaphorisch und hebt die Kreativität und Handwerkskunst hervor, die für die Schaffung literarischer Werke erforderlich ist. Historisch gesehen wurden Schmiede hoch geschätzt, da sie nicht nur Metall bearbeiteten, sondern auch innovative Lösungen fanden. Diese Eigenschaften werden auch dem Wortschmied zugeschrieben, der mit Worten Ideen formt und Legenden vermittelt.
Eine ergänzende Online-Publikation ist seit Januar 2025 im Netz.
Die Deutschen Nationalbibliothek teilte dieser Online-Publikation eine ISSN-Nummer zu, die bislang für zeitschriftenartige Reihe vergeben wurden. Dies gilt nun auch für Publitzistik im Netz. Kritikaster mögen die ISSN-Nummer und den Eintrag in den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek für verzichtbar halten, wirklich wichtig ist er für die eigentliche Arbeit auch nicht, es ist ein Verwaltungswesen. Allerdings eine Bürokratie, die damit weiterhilft Ort, Medium und Datum klar zu benennen.
Neben der Buchausgabe ist „Schmieds Katze“ weder ein reiner Bildband noch eine klassische Kurzgeschichtensammlung. Es handelt sich um eine hybride, fortlaufende Publikation (ISSN 2944-3946), die Streetphotography von Martin Vanselow mit den Vertellstückskern von Félin Murr verbindet – kleinen, meist pointierten Erzählstücken, Anekdoten, Beobachtungen und modernen Lokallegenden. Beide Teile greifen ineinander, kommentieren sich gegenseitig, manchmal ironisch, manchmal melancholisch, fast immer liebevoll-scharfsichtig.

Die gilt nicht nur für die Texte, dies gilt gerade auch für die Fotos. Der Herausgeber würdigte den Fotographen Martin Vanselow, dessen Streetphotography er sehr schätzt. Er beherrscht die seltene Kunst, das Beiläufige in das Bedeutsame zu verwandeln. In seinen Arbeiten ist die Straße kein bloßer Hintergrund, sondern eine lebendige Bühne, auf der sich das menschliche Dasein in all seiner ungeschminkten Direktheit entfaltet. Was Vanselows Streetphotography so besonders macht, ist der Verzicht auf das Spektakuläre. Er sucht nicht nach der lauten Sensation, sondern nach dem „entscheidenden Augenblick“, in dem Licht, Komposition und menschliche Regung perfekt korrespondieren. Seine Bilder holen faszinierende Fragmente aus dem grauen Rauschen des Alltags hervor und verleihen ihnen eine fast poetische Dauer. Doch über die rein ästhetische Brillanz hinaus fungieren seine Werke als tiefgreifende Sozialstudien. Jede Momentaufnahme erzählt eine Geschichte über die Beschaffenheit unserer Gesellschaft – über Einsamkeit im Gedränge, flüchtige Nähe oder die subtilen Hierarchien des öffentlichen Raums. Vanselow blickt nicht auf seine Subjekte herab, sondern begegnet ihnen auf Augenhöhe. Dadurch werden seine Fotografien zu Spiegeln, in denen wir uns selbst und die Dynamiken unseres Miteinanders wiedererkennen. In dieser Online-Publikation wird deutlich: Vanselows Blick ist nicht nur ein Handwerk, sondern eine empathische Chronik unserer Zeit, die das Verborgene im Sichtbaren feiert.
Die Zusammenarbeit zwischen Martin Vanselow und Johannes Schmidt (dem Herausgeber) kann deshalb als kongenial bezeichnet werden, weil beide eine tiefe Abneigung gegen das Plakative teilen und stattdessen die Ästhetik des Unaufgeregten kultivieren. Der Streetphotographer und der Herausgeber haben die gleiche Wellenlänge in der visuellen Philosophie. Johannes Schmidt verfolgt mit „Schmieds Katze“ oft einen Ansatz, der Handwerk, Authentizität und den ´zweiten Blick` betont. Vanselows Streetphotography ist das visuelle Äquivalent dazu: Sie verlässt sich nicht auf technische Spielereien, sondern auf die Reinheit des Moments. Ein Herausgeber hat den Mut, Bilder auszuwählen, die nicht sofort „schreien“. Schmidt erkennt in Vanselows Arbeiten genau jene Qualität, die ein Rauschen im Kopf des Betrachters stoppt. Diese Übereinstimmung erlaubt es, eine Bildsprache zu präsentieren, die dem Publikum Raum zur eigenen Interpretation lässt, statt eine fertige Sensation vorzukauen. Während Vanselow die Fragmente im „grauen Rauschen“ des Alltags isoliert, versteht es Schmidt, diese Fragmente so in den Kontext des Projekts zu setzen, dass sie eine neue, fast erzählerische Ebene erhalten. Die Zusammenarbeit ist also nicht nur eine Veröffentlichung, sondern ein gemeinsames Herausarbeiten der „poetischen Dauer“, die Vanselows Bilder auszeichnet. Beide Akteure scheinen verinnerlicht zu haben, dass die stärkste Wirkung oft durch Weglassen erzielt wird. Diese Reduktion auf das Wesentliche – Licht, Komposition und menschliche Regung – ist der rote Faden, der Schmidts editorische Vision und Vanselows fotografisches Auge untrennbar miteinander verbindet. Die Zusammenarbeit ist deshalb kongenial, weil Schmidt nicht nur ein Verleger von Vanselows Bildern ist, sondern ein Resonanzboden für dessen stille Radikalität.
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Rock & Roll Hall of Fame | Union Home Mortgage Plaza, 1100 Rock & Roll Blvd. | Cleveland, Ohio 44114

Weiterführend → Der Musikkritiker Ben Watson bezeichnet „Zappas Mothers of Invention“ als „politisch wirksamste musikalische Kraft seit Bertolt Brecht und Kurt Weill“ wegen deren radikalem, aktuellen Bezug auf die negativen Aspekte der Massengesellschaft. So besehen war Frank Zappa neben Carla Bleys Escalator Over The Hill einer der bedeutendsten und prägendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Gehört Miles Davis nicht dazu? Oder ist Fake Jazz das Eigentliche?
In der Reihe mit großen Blues-Alben hören wir den irischen Melancholiker. Hören den Turning Point, von John Mayall. Vergleichen wir ihn mit den Swordfishtrombones, von Tom Waits und den Circus Songs von den Tiger Lillies. Wahrscheinlich hat selten ein Musiker die Atmosphäre einer Stadt so akkurat heraufbeschworen wie Dr. John. Unpeinlich Deutsche Texte von Ton, Steine, Scherben. Wir ertasten auf KUNO den Puls des Motorik-Beats. Und machen eine Liebeserklärung an die „7-Inch Vinyl Record Single“. Krautrock ohne angloamerikanisches Vorbild – lässt es auch die Kraaniche fliegen? Auf Embryo’s Reise entdeckten die Musiker zwar nicht Amerika, sondern die Weltmusik. Ist das noch Krautrock? – Eher Labskaus vom feinsten! Und hören, wie James Marshall „Jimi“ Hendrix den Blues transformiert hat. – War David Gilmour ein Krautrocker oder ein verkappter Blueser?
Des Weiteren: Eine Sternstunde des Rock’n’Roll. Eine Betrachtung von Both Sides Now. Lauschen der ungekrönten Königin des weißen Bluesrock. Und im Vergleich dem Lizard-King. Unterdessen begibt sich Eric Burdon auf die Spuren vom Memphis Slim. Erweiternd ein Porträt der Gorgeous Queen of Ruhrgebeat-Trash. Wir warten nach Heavy metal thunder nicht auf den Blitz, um den Göttern des Donners eine Referenz zu erweisen.
Wir verorten auf KUNO die erste Punk-LP mit dem Bananenalbum. Oder war es doch eher der Garagenrock? – Lässt sich von MC Five (Motor City Five) oder den Stooges der verschwitzte Proto-Punk der New Yorker Proll-Combo ableiten? Oder hatte der testosterongesteuerte Punk gar eine Ur-Mutter? Würden das die Nerds unter den Musik-Kritikastern überhaupt zugeben? – Der Titeltrack des Albums ist der mit Abstand spektakulärste und zeitloseste Titel des Album. Bis heute ist Blank Generation der Song, der wohl größer ist, als die Band, die ihn produziert hat. Dies ist das beste Album, das die Buzzcocks nie gemacht haben. Kaum ein Song beschreibt den beginnenden britischen Punk besser als „Oh Bondage Up Yours!“. Es ist ein Zeichen von Chuzpe, wenn sich eine von Männern dominierte Szene, eine Combo von Frauen The Slits nennt. Waren die Pistols die erste Boy-Group? Johnny Rotten predigte Anarchie, The Pop Group praktizierte sie. PiL has his future in a British Steel. Bei The Clash verströmt Strummers Gebrüll geballte Wut, während Jones‘ flammendes Gitarrenspiel den Stil für unzählige Nachahmer prägte. Klingt die Trostlosigkeit des Rust Belt nach Punk oder Industrial Folk? Eine weitere Seitenbemerkung über den Industrial-Punk der Nine Inch Nails aus Cleveland, Ohio. Tuxedomoon entwickelten einen experimentellen Sound, der seltsamer war als der ihrer Zeitgenossen aus den 80ern, indem er Jazz und hypnotisierende Elektronik auf eine Art und Weise einbezog, sie spielten einen hypnotischen Synth-Punk. Die aus dem Album Liaisons Dangereuses ausgekoppelte Single Los niños del parque ist eine der meistverkauften Underground-Singles in Deutschland und später aufgrund der markanten, mit dem Korg MS-20 erstellten Basslinie vielfach gesampelt worden. Eine Würdigung der südafrikanischen Tekkno-Punks Die Antwoord. – Gegen Fresh Fruit for Rotting Vegetables hört sich alles andere wie Pop an. Retten kann uns die Schönheit der Tenorstimme des Punk. The Monochrome Set verkörpert wie kaum eine andere Combo den DIY-Ethos, indem sie kompromisslos ihrer eigenen, einzigartigen künstlerischen Vision folgen. Zu Monarchie und Alltag gibt es einen Bericht zur Lage der Detonation. – Polka trifft auf Punk und möglicherweise waren es die Violent Femmes, die den Gitarren-Schrammelpunk erfunden haben. Die Spoken Word-Poetin Anne Clark präsentiert Lyrics als dunkles Echo der Seele, sie steht darin Siouxsie Siox, dem Urtyp eines Riot Grrrls, in nichts nach. Erinnert sei auch an den Punk-Poeten John Cooper Clarke und den Lo-Fi-Poeten Dan Treacy, Weitere ungelöste Fragen: Stellen die The Ruts mit einem Album das Lebenswerk von The Clash in den Schatten? Wann hört der Substance von Punk auf? Wann beginnt der Post-Punk? Ist das bereits New Wave? Oder stellt Polyrythmik den Höhepunkt dar? Kein Punk, aber das Kronjuwel des Britpop. Die Alben von Wire stellen in beeindruckender Weise dar, was aus Punk eigentlich hätte werden können.
The oldest sister with transistors was Laurie Anderson. Ihre jüngere Schwester im Geiste ist ein isländischer Kobold. Charmant an den Ambient Chansons von Mona Lisa Overdrive sind die Stücke, auf denen die Sängerin Nicole Vogt dem Material mit einer etwas fernen, wehmütigen Stimme eine Seele einhaucht. Geschlagene 16 (in Worten Sechzehn) Jahre lang kursierten unter den gewöhnlich gut eingeweihten Szenenkennen diverse Gerüchte um das unveröffentlichte Album Gift aus dem Jahr 2000. Es sollte seinerzeit Pia Lunds zweites Solo-Album nach ihrer Trennung von Phillip Boa & The Voodooclub werden. Lundaland, ihr Solo-Debüt von 1999, hatte die Kultsängerin als elegante Vorreiterin des verspielten Elektrobeats etabliert. Der Pyrolator aus Berlin erhielt in Anerkennung seines Lebenswerks das Hungertuch für Musik 2013. Eigentlich könnte: Dylan gut ohne den Nobelpreis für Literatur weiterleben und -arbeiten. Er ist auch kein genuiner Kandidat, insofern er halt kein ‚richtiger‘ Schriftsteller ist, sondern ein Singer-Songwriter. (Heinrich Detering)
Inzwischen gibt es: Pop mit Pensionsanspruch, sowie eine Rock and Roll Hall of Fame. Daher der Schlussakkord: Die Erde ist keine Scheibe.