Eine künstlerische Symbiose

Wer die Werkstattgalerie Der Bogen betritt, verlässt den gesicherten Bürgersteig der Möhnestraße. Es ist kein Eintreten in einen Tempel der Kunst, sondern ein Einbiegen in eine Werkstatt des Geistes.

Wo der Ruß der Industriegeschichte sich mit dem Firnis der Gegenwart mischt, hat Pit Schrage sein Atelier.

Pit Schrage ist ein vielseitiger Künstler aus Neheim, dessen Schaffen eng mit der lokalen Kunstszene und insbesondere mit der Werkstattgalerie „Der Bogen“ verbunden ist. Seit 1980 wirkt er als leidenschaftlicher Autodidakt und gehört zu den prägenden Figuren dieser außergewöhnlichen Ateliergemeinschaft. Sein Werk umspannt Objektkunst, Öl- und Mischtechniken, Kunst im öffentlichen Raum, Performance Art und partizipative Projekte – ein breites Spektrum, das sowohl abstrakte Malerei als auch konzeptionelle und gesellschaftsbezogene Ansätze einschließt.

Schrage und „Der Bogen“ teilen nicht nur das Gründungsjahr, sondern auch eine gemeinsame Geschichte von fünf Jahrzehnten. Der Künstler betreibt dort sein Atelier und ist fest in das Programm der Galerie eingebunden. Er nimmt regelmäßig an Gruppen- und Jahresausstellungen teil, kooperiert mit anderen Mitgliedern der Ateliergemeinschaft und gestaltet eigene oder gemeinsame Präsentationen. Beispiele sind die kommende Ausstellung „Zeit der Dilettanten“ (mit Kirsten Minkel), bei der abstrakte Farbkompositionen und Werke von insgesamt 52 Arbeiten gezeigt wurden, oder gemeinsame Projekte unter Titeln wie „Malerei trifft Objektkunst“.

Schrages künstlerischer Ansatz zeichnet sich durch Experimentierfreude und die Verbindung unterschiedlicher Medien aus. Als „Hobbykünstler“ mit professioneller Intensität – oft als Autodidakt beschrieben – drückt er in abstrakten Kompositionen emotionale und materielle Spannungen aus (etwa im Spiel mit Öl und Wasser). Gleichzeitig engagiert er sich für Kunst im öffentlichen Raum, wie bei der Gestaltung eines Kreisverkehrs in Ense-Höingen, wo seine Metallplastiken ein dauerhaftes Zeichen setzen. Performances und partizipative Formate unterstreichen seinen Wunsch, Kunst nicht nur als Objekt, sondern als Prozess und Begegnung zu verstehen.

Die Verbindung zu „Der Bogen“ geht über eine reine Atelier-Nutzung hinaus. Die Galerie bietet Schrage und den anderen Künstlern ein stabiles, selbstorganisiertes Netzwerk, das Unabhängigkeit von kommerziellen Zwängen mit institutioneller Verankerung verbindet. Pit Schrage verkörpert damit den Geist von „Der Bogen“: authentisch, experimentell und regional verwurzelt, zugleich offen für Austausch und Erweiterung.

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Ein Hinweis auf die kommende Ausstellung Zeit der Dilettanten, von Kirsten Minkel und Pit Schrage in der Werkstattgalerie „Der Bogen“ im Neheimer Kunst-Werk, 11. Mai 2025, ab 17:00 Uhr

Weiterführend  Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie ein Artikel von J.C. Albers. Vertiefend auch das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus über Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.

Haimo Hieronymus hat das Spielen mit den Möglichkeiten und die Reflexion über das Spielen zur Grundlage seiner Kunst gemacht.

Das Tanz-Theater des Manuel Quero.

Ein Nachruf auf den Bogenkünstler Karl Hosse

 Mit einem Nachruf würdigt KUNO Peter Meilchens Lebenswerk. Lesen Sie auch den Essay 50 Jahre Krumscheid / Meilchen über die Retrospektive im Kunstverein Linz und den Essay zum Buch / Katalog-Projekt 630.