
Eine der faszinierendsten Neheimer Legenden, die sich tief im kollektiven Gedächtnis dieser Stadt verankert habe, gilt dem ´Pengel Anton`. Und das nicht nur deshalb, weil der Begriff „Pingel Anton“ ein westfälischer und zugleich auch norddeutscher Ausdruck für eine dampflokbetriebene Eisenbahn ist und somit einer der wenigen Restbestände des Surländsk Platt.
Die Bezeichnung „Pengel Anton“ wurde im Sauerland umgangssprachlich für eine Kleinbahn verwendet, die einspurig zwischen dem Bahnhof Neheim-Hüsten und dem Bahnhof Möhnesee verkehrte; dies in einem angemessenen Tempo.
Am ´Seebahnhof Möhnesee` konnte der Reisende sich auf den Weg um den See oder einen Waldspaziergang aufmachen. Oder eine Wanderung über den Steetsberg, um zu Fuß wieder nach Hause gehen. Oder Umsteigen, denn es bestand Anschluss zum Bahnhof in Soest.
Mit einer Träne im Knopfloch weint die Katze einem funktionierenden ÖPNV nach. Auf der ehemaligen Bahnstrecke verläuft inzwischen der Pengel-Anton-Radweg, die Katze und der Schmied sind diese Strecke gefahren, statt seines Schnaufens hätte sie lieber der eisernen Atem der Lokomotive gehört; als Ersatz spielte sie auf einer Mundharmonika.
Einst verlief die „Ruhr-Lippe-Kleinbahn“ in Neheim teilweise auch innerstädtisch. Sie musste nach der Betriebsvorschrift wegen der unzähligen unbeschrankten Bahnübergängen immer wieder zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer läuten. Beim Durchfahren der innerörtlichen Bereiche und beim Rangieren wurde permanent eine Glocke angeschlagen, die von der Bevölkerung lautmalend Pengel genannt wurde… mancher Klang hallt in der kollektiven Erinnerung glockenhell nach…
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Schmieds Katze, von Johannes Schmidt. Edition Das Labor 2025

Im Befragen dessen, was Heimat ausmacht, geht es um den Verlust lokaler Identität. 5760 Neheim ist ein affektiv besetzter Ort mit ehemals prägenden Wörtern, Dialekten, Berufsbezeichnungen, ihren Erhebungen und Abgründen, ihrem lokalen Wissen, ihren geheimen Geschichten und Überlieferungen. Die Vertellstückskers zeigen, wie ´Autosoziobiografisches Schreiben` im Hinterland betrieben wird. Im Land der 1000 Berge existieren Tiefenzeiten und Rückzugsräume. Es gibt im Sauerland noch Orte, in denen die Bürger jenseits des medialen Zerstreutseins zu Hause sind, in denen natürlichen Gegebenheiten und geschichtlichem Gewordensein sie mit anderen aufgehen können. Ähnlich wie bei Annie Ernaux steht auch für den Herausgeber Johannes Schmidt die Thematisierung von Klassismus in diesen Erzählungen im Vordergrund. Er verwandelt sich in einen Kehrichtsammler der Tatsachen, die Bagatellen des täglichen Provinzlebens werden in bizarr scheinenden und möglichst unterhaltsamen Geschichten festgehalten.
Weiterführend → Der Herausgeber würdigte den Fotographen Martin Vanselow, dessen Streetphotography er sehr schätzt. Er freut sich über die Zusammenarbeit für diese Online-Publikation weil Vanselow nicht nur faszinierende Bilder aus dem Alltag hervorholt, sondern weil diese Momentaufnahmen nebenher auch großartige Sozialstudien sind.
→ Die Online-Publikation „Schmieds Katze“ wird im Lauf der Zeit zu einer Langzeitgeschichtsschreibung zwischen 2025 – 2035 – in Fortsetzungen, Nebensätzen und Neuansätzen. Es ist ein stetig wachsendes Rhizom aus echten Lebensgeschichten, fiktionalen Nebenwegen sowie autosoziobiographischer Analyse. Im Lauf des mythopoetischen Erzählmosaiks wird in 1001 Vertellstückskers das Leben in 5760 Neheim rekonstruiert.