Versunken in Deutungstrümmern

Nähe entsteht dort, wo die Künstlerin Katja Butt bestimmte Bilder auflädt, performative Akte darbietet und Vortrefflichkeit aufscheinen lässt. Eine poetische Annäherung.

Notation – Videoinstallation von Katja Butt für den Kunstverein Bochum, Haus Kemnade, 2000

Der Vorteil einer Poesie ohne Unterhaltungszwang liegt in der Unberechenbarkeit, so wird sie zu einem reinigenden Akt der Selbstbefreiung. Félin Murr praktiziert eine subjektive Selbstsetzungstheorie. Zugleich ist sie der Parteilichkeit der Anschauungsformen Raum und Zeit ausgeliefert und versucht sich im Zeichengewitter zurechtzufinden.

Ein offenes Verständnis verweist auf ein Geflecht aus spirituellen, organischen, materiellen und historischen Bindungen. Die Katze stellt die Freiheit ihrer freien Selbstbestimmung über alles; Selbstbestimmung und Selbstbegrenzung werden von im Zeichen einer doppelten Freiheit zusammengedacht. Es geht ihr um die authentische Bewahrung des Überlieferten und der Verdammung eines Strebens nach Wissen als Selbstzweck.

Wo ihre Wahrnehmung noch Umwege macht, sucht ihr Denken nicht nach Abkürzungen. Félin Murr empfindet ein geistvolles Gespräch als erfüllend, die gedankenvolle Verschwiegenheit als elegant. Daher nähert sie sich dem Gehörten gern lesend, reflektierend und nachdenkend an. Nur die Wahrhaftigkeit ist für sie erhaben, sie entwickelt ein hohes Gefühl von der Würde der menschlichen Natur. Schätzt sich selbst und hält Menschen für ein Geschöpf, das sich ihre die Achtung verdienen sollte.

Die Katze markiert das Territorium der eigenen Interessen. Dennoch versucht sie die ästhetisierende Selbstbespiegelung von Künstlern nachzuvollziehen. Zu ihrem Identitätsbegriff gehört Selbstdistanzierung und Reflexion ebenso wie ständiger Wandel und immer erneute Kritik; vor allem sich selbst gegenüber. Félin Murr gibt die Hoffnung nicht auf, dass Kunst doch etwas verändern kann… nur ein Bedeutungsüberschuss kann das eigentlich Gemeinte notwendig überschreiten.

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Mit und ohne Worte, Ausstellung von Katja Butt in der Werkstattgalerie Der Bogen, Neheim. Finissage: 26. Juli, ab 15:00 Uhr

Weiterführend → Katja Butt aus Köln erhielt in Anerkennung ihres künstlerischen Werks das Hungertuch für Bildende Kunst 2007. – Ein Recap des Hungertuchpreises.

→ Weiter beginnen. Wir fangen an. Ein Theaterabend. Studiobühne Köln, mit Heidrun Grote, Bühnenbild: Katja Butt, 2009

→ Eine Erinnerung an die Ausstellung Wasserkur von Katja Butt im Rheintor, Linz – Anno Domini 2011. – Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie hier.

→ Eine Erinnerung an die Ausstellungseröffnung von Mit und ohne Worte, von Katja Butt in der Werkstattgalerie Der Bogen

In der Werkstattgalerie Der Bogen werden nicht nur Ausstellungen gezeigt, sondern auch Künstlerbücher – direkt vor Ort entworfen, gedruckt und vervielfältigt. Sie sind Ausdruck von Kreativität, handwerklichem Geschick und einem tiefen Verständnis für die Grenzen und Möglichkeiten von Kunst. Vertiefend zum Thema Künstlerbücher lesen finden Sie hier einen Essay. – Weiterführend auch das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.

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