„Stadt, Land, Fluss“ ist der Name eines Schreib-, Wissens- und Quizspiels. Hier werden zu jeweils einem Anfangsbuchstaben Begriffe in unterschiedlichen Kategorien abgefragt.

Unter L wie Lüerwald lässt sich ein historisches Waldgebiet benennen. Dahinter verbirgt sich ein Naturschutzgebiet zwischen Neheim und Menden. Der größte Teil dieses Gebiets ist siedlungsfrei und wird kaum von Straßen durchschnitten. Den Forstflächen kommt auch eine Bedeutung als Lebensraum und langgestrecktes Verbundelement insbesondere für die Insekten-, Kleinsäuger- und Vogelfauna zu. Wer in den Wald tritt, sucht nicht das Unberührte, sondern tankt das Gefühl von Heimat auf, während die Fichtenreihen in Reih und Glied stehen. Sie liefern den Rohstoff für eine Gemütlichkeit, die auf dem Holzweg ist. Der Wanderer glaubt, Frischluft zu atmen, doch er inhaliert den Arbeitsplan von Generationen von Forstwirten.
Das Grün dieser Hügel kennt nur eine Richtung: den Abtransport. Jeder Forstweg ist eine Schiene ohne Gleise, angelegt für das Profil schwerer Maschinen. Die Natur darf wachsen, aber nur, um flachgelegt zu werden. Wer hier querfeldein geht, stört den Produktionsfluss.
Was der Sauerländer stolz seine „Natur“ nennt, ist ein verlorener Gegenstand, den man durch eine Kopie ersetzt hat. Geometrische Linien ziehen sich durch das Unterholz. Die Bäume stehen stramm wie preußische Soldaten im Sand. Wo jeder Stamm denselben Abstand zum Nachbarn wahrt, herrscht nicht das Gesetz des Lebens, sondern die Hausordnung des Kapitals. Man hat den Urwald verloren und eine Freiluftfabrik gefunden.
Das Sauerland verkauft die Illusion der Wildnis an den Großstädter, um mit dem Erlös den nächsten Harvester zu finanzieren.
Der Borkenkäfer hat die Wahrheit ans Licht gebracht. Er ist der radikalste Philosoph des Sauerlandes. Mit seinen winzigen Gängen hat er das Fundament der Monokultur untergraben und die Plantage als das entlarvt, was sie immer war: ein künstliches Kartenhaus. Wo die Fichten fielen, blieb kein trauernder Wald zurück, sondern eine nackte Industriebrache. Die Natur rächt sich nicht; sie zeigt sich nur in ihrer vollendeten Künstlichkeit.
Man kann die Sauerländer Natur in Dosen kaufen: Wanderabzeichen, Fichtenlikör, hölzerne Souvenirs. ALLES ist hier Ware.
Für einen Wanderer ist der Waldsaum der Rand des Aufmerksamkeitshorizontes. Es gehört zum Luxus eines selbstbestimmten Lebens, morgens im Wald zu verschwinden… hier den Inbegriff von Veränderlichkeit und Vergänglichkeit einzuatmen… zu betrachten… und erst am Nachmittag den zusammenhängenden Waldmantel wieder zu verlassen und über die vorgelagerten Straucharten sowie die Feldflur in die sich zivilisiert glaubende Welt zurückkehren.
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Weiterführend → Als Schlussbemerkung zum Monat der Brücken ein Versuch über die Sehnsucht, den Zeitfluss zu beherrschen.
→ Der Herausgeber würdigte den Fotographen Martin Vanselow, dessen Streetphotography er sehr schätzt. Er freut sich über die Zusammenarbeit für diese Online-Publikation weil Vanselow nicht nur faszinierende Bilder aus dem Alltag hervorholt, sondern weil diese Momentaufnahmen nebenher auch großartige Sozialstudien sind.
→ Das Projekt „Schmieds Katze“ ist eine Langzeitgeschichtsschreibung zwischen 2025 – 2035 in Fortsetzungen, Nebensätzen und Neuansätzen. Der Herausgeber trägt eine literatursoziologische Hypothese vor, die der Versuch ist, das Leben im Sauerland in nicht-lineare Momente zu gliedern. Ergänzend erste Überlegungen zum Neologismus Vertellstückskers und dem Aussterben des Suerlands Platt.