The Klimperclown formally known as The Singing Men’s Cake

Wer in einen Film von Helge Schneider sieht, wird keine Handlung erwarten. Die Grundlage seiner künstlerischen Arbeit ist die Improvisation, die bei ihm zum künstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung geworden ist.

Martin Vanselow hat dem „Klimperclown“ bei der Premiere in der Lichtburg über die Schulter geschaut.

Die Kunst von Helge Schneider besteht darin Witze zu erzählen, die keine Pointe haben, und man muss trotzdem darüber lachen. Nach eigener Einschätzung versucht er den „Sinn im Unsinn“ zu finden. In „The Klimperclown“ porträtiert er sich selbst; es ist quasi ein Geschenk, dass sich der Mukker zum 70. Geburtstag selbst gemacht hat. Zu sehen sind darin neben den Originalaufnahmen, Sketche und Musikclips. So entsteht ein Film, der geprägt ist von schneideskem Humor. Laut eigener Auskunft ist es, „direkt, persönlich und anders als jedes Biopic“. Dafür verwendet er Originalaufnahmen, Sketche und Musikclips und fügt sie zu einem Film zusammen, der einen Einblick in seine vielseitige Laufbahn gibt, die eigentlich von nichts anderem handelt, als in das Leben hineinzuscheitern.

Man erkennt die Komik von Schneider nur zum Teil, wenn man sein Umfeld in „Bad“ Mülheim nicht kennt.

Dieser Artist bewegt sich hemmungslos zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Kindersprache und Literatur, verbindet Alltag und Albernheiten mit einem breiten kulturellen Hintergrund und verliert sich in ausufernden Erzählungen, die er den Menschen zuerst bei Eduscho, dann im Eiscafé Agnoli am Kugelbrunnen in Bad Mülheim abgelauscht hat; ein Künstler als Durchlauferhitzer;-) Daher kann man fröhlich einstimmen in ein Lied der Leipziger A-cappella-Gruppe ´Die Prinzen` „Alles nur geklaut“.

Ein von Tom Täger für das Tonstudio an der Ruhr mit einem Mikroständer und einer Ablage aus Holz modifiziertes Modell 6740 der Kaiser Idell.

Die Herzkammer von „Bad“ Mülheim

Das Eiscafé Agnoli war die Herzkammer von „Bad“ Mülheim. Hier trafen Szenegrößen wie Peter Eisold, Schneider, Kurowski und Täger auch auf den Oberhausener Christoph Schlingensief, der viel zu früh am 21. August 2010 starb. Der „Biber“ war das Enfant terrible, er war der Polit-Clown und er war jemand, den man gerne eingeladen hat, weil man wusste, dann passiert was und das ist irgendwie Unterhaltung. Aber er wurde nicht wirklich ernst genommen. Eine Erinnerung der Eisenheimerin Eva Kurowski.

„Eva Kurowski hat den Jazz proletarisiert!“

Die ZEIT

Eva Kurowski wuchs im Jazzkeller ihres Vaters Kuro in Oberhausen–Eisenheim auf und erlernte dort schon früh den Beruf der Jazzsängerin. Ihr Vater Kuro schleppte eines Tages einen rothaarigen Saxophonisten aus „Bad“ Mülheim an, der dann regelmässig zu Sessions erschien. Die Zusammenarbeit von Schneider und Kurowski kann man sich so vorstellen, wie die von Karl Valentin und Lisel Karlstadt. „Wo lernt ein Bischof so gut küssen?“, fragt sie in einem ihren schnoddrigen ´Schangsongs`, es ist realer Jazz, mit Emscher- und Ruhr-Aroma gewürzt, überraschend romantisch vorgetragen von einer bodenständigen Sängerin, die kaum etwas lieber macht, als zu komponieren und ihre Lieder zu singen. Mit dem ihr eigenen zauberhaften Balladen auf dem Album „Reich ohne Geld“ gelang es ihr, sich als ‚Billie Holiday des Strukturwandels‘ einen Namen zu machen, der weit über die Jazzszene des Ruhrtals hinausragt. Ihre Gassenhauer widmete sie den Musikern des legendären Tim Isfort–Orchester, mit dem sie gemeinsam mit Christian Brückner, Tom Liwa, Katharina Thalbach, Blixa Bargeld, Sam Lee Brown durch Deutschland tourte.

 ***

The Klimperclown, am 20.08.2025 ab 22:50 in der ARD.

Reich ohne Geld, CD mit „Dschäzzz“ von Eva Kurowski, (produziert von Helge Schneider) roofmusic, Bochum, 2001

Photo: Helge Schneider

Weiterführend → 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte Seine größten Erfolge, produziert von Helge Schneider und Tom Täger im Tonstudio/Ruhr.

Eva Kurowski, the gorgeous Queen of Ruhrgebeat-Trash.

Der Weg von Proust zu Pulp.