soziale und politische reflexionen

„Um die Welt zu verstehen, muss man das kleine Stückchen Erde verstehen, auf dem man steht.“

William Faulkner

der name „Schmidt“ ist ein klassischer deutscher berufsname und leitet sich direkt vom wort „Schmied“ ab, das den handwerker bezeichnet, der metall bearbeitet. der wortstamm geht auf das mittelhochdeutsche „smet“ und mittelniederdeutsche „smit“ zurück, die beide „Schmied“ bedeuten. noch weiter zurück reicht er zum althochdeutschen „smid“ (seit dem 8. jahrhundert belegt) und germanischen „smiþa“. im mittelalter war der schmied im sauerland ein unverzichtbarer beruf in fast jedem dorf, beispielsweise für werkzeuge, waffen und hufeisen, weshalb der name häufig wurde. das buch „Schmieds Katze“ greift vordergründig eine deutsche redewendungen auf: „abgehen wie schmidts katze“ (oder Varianten wie das rheinische „schmitz’ katze“). diese redewendung beschreibt etwas, das plötzlich losgeht – dies ursprünglich abgeleitet von der katze des schmieds, die bei den hammerschlägen meist erschrocken davonsaust.

Der Herausgeber hat das „Glokale“ zum Markenzeichen gemacht.

die erzähltechniken in „Schmieds Katze“ brechen mit traditionellen erzählerischen konventionen. der vielgestaltige text nutzt unkonventionelle stilistische mittel, darunter fragmentierung, intertextualität und das ´autosoziobiografische schreiben`, was ihn zu einer sinnfälligen weiterführung der experimentierfreudigen literatur macht. diese techniken beeinflusst zahlreiche Autoren und gelten als markante merkmale der modernen regionalliteratur. „Schmieds Katze“ spiegelt die realität und die lebensumstände des sauerlands wider. der herausgeber ist mit der region des sauerlands verbunden, was zu gut recherchierten und authentischen Darstellungen führt. er bringt lokale bräuche, den regiolekt und traditionen zum ausdruck, wodurch die betrachter und die leser einen tiefen einblick in leben und kultur des sauerlands bekommen.

Seit 25 Jahren zeigt sich, dass Regionalität kein Nischenphänomen ist.

wir lesen in diesen geschichten eine rekonstruktion der alltäglichen geschichte. die regionale sprachfärbung ist keine heruntergekommene sprache, sondern ein bewusstes ästhetisches Stilmittel. das sauerland wird zum labor für gesellschaftliche abgründe und sehnsüchte. der streetphotographer und der herausgeber verklären die provinz nicht, sie sezieren sie. martin vanselow und johannes schmidt zeigen enge, verdrängung, fremdenfeindlichkeit, patriarchale strukturen, wirtschaftlichen niedergang – aber auch widerstand, solidarität, eigenart und schönheit. das ´autosoziobiografische schreiben` reflektiert soziale und politische kontexte der nachwendezeit im sauerland. dieses langzeitprojekt behandelt themen wie identität, entfremdung und die konfrontation mit der eigenen geschichte. diese auseinandersetzung macht „Schmieds Katze“ zu einem teil des literarischen diskurses, da sie die gesellschaftlichen herausforderungen thematisiert, zumal der herausgeber im wahlkreis des bundeskanzlers lebt.

In der medialen Tradition der ´Edition Das Labor` transformiert sich „Schmieds Katze“, durch Martin Vanselow in eine Online-Publikation.

Es gibt Sätze, die man nicht interpretieren muss.

die streetphotography von martin vanselow zeichnet sich durch verschiedene stärken aus, die seinen stil und seine vision prägen. seine arbeit vermittelt nicht nur visuelle eindrücke, sondern erzählt auch geschichten über das urbane leben, soziale themen und menschliche verbindungen. wesentliche merkmale seiner arbeit sind der fokus auf den moment. seine bilder zeichnen sich dadurch aus, dass sie vergängliche augenblicke im öffentlichen raum festhalten, oft mit einem fokus auf personen und deren interaktionen. er verbindet seine visuellen eindrücke häufig mit einer erzählerischen ebene. seine arbeiten werden dafür geschätzt, ereignisse (wie etwa die „Jazz for the People“-Reihe) sowohl in wort als auch in bild lebendig festzuhalten. er nutzt häufig die schwarz-weiß-fotografie, um kontraste und formen zu betonen, setzt aber auch gezielt farben ein, um stimmungen des stadtlebens zu transportieren. so entwickelt er thematische serien (z. B. „KLAUS“, „On the road“ oder „THE REAL NIGHTHAWK“), die über das einzelbild hinausgehen und eine tiefergehende auseinandersetzung mit seinen motiven ermöglichen.

Hervorzuheben ist die lokale Authentizität, denn ein bedeutender Teil seines Werks widmet sich seiner Heimatregion (insbesondere Neheim), wo er als Chronist des Alltags und besonderer lokaler Ereignisse gilt.

martin vanselows streetphotography spiegelt die kultur und identität neheims wider. er dokumentiert nicht nur die menschen, sondern auch die architektur, traditionen und das soziale leben, was der region ein starkes gefühl von zugehörigkeit verleiht. diese streetphotography schafft es somit, die alltagsmomente der menschen in neheim zu erfassen und sie in etwas erleuchtendes und nachdenkliches zu verwandeln. er zeigt interaktive momente zwischen den menschen. diese aspekte betonen die zwischenmenschlichen beziehungen und laden den betrachter dazu ein, über die geschichten hinter den gesichtern nachzudenken. die fähigkeit, intime und unerwartete augenblicke zu dokumentieren, macht seine werke besonders eindrucksvoll. sie sind ein beleg von authentizität und natürlichkeit. er strebt danach, die echtheit der szenen einzufangen, ohne die einstellungen zu inszenieren. dies verleiht seinen bildern einen authentischen charakter, der die realität des straßenlebens widerspiegelt. er nutzt seine fotografie, um auf gesellschaftliche themen aufmerksam zu machen. die dokumentation von alltagsszenen regt er zum nachdenken über soziale ungleichheiten und kulturelle unterschiede an. seine verwendung von licht und schatten sowie die auswahl von blickwinkeln zeugen von einem hohen technischen verständnis. dies verleiht seinen fotos sowohl eine ästhetische als auch eine emotionale tiefe. vanselow scheut sich nicht, verschiedene motive und themen zu erkunden, diese vielseitigkeit eröffnet eine breite palette von erzählungen und perspektiven. diese streetphotography ist ein hervorragendes beispiel dafür, wie fotografie als medium zur geschichtenerzählung und zur reflexion über die menschliche erfahrung genutzt werden kann. sein stil ist nicht nur eine visuelle darstellungen von szenen, sondern eine einladung zur auseinandersetzung mit der welt um uns herum.

Die größte Stärke guter Regioliteratur ist, dass sie lokal ist, ohne provinziell zu sein.

auch die so wesentlich erweiterte online-publikation von „Schmieds Katze“ entsteht aus intensiver kenntnis eines bestimmten raums, seiner Sprache, seiner menschen, seiner geschichte und seiner alltagskultur. der herausgeber hat ein tiefes wissen über den ländlichen raum, er beschreibt glaubwürdige figuren und milieus. oft werden unkonventionelle perspektiven gewählt, um die geschichte interessant zu gestalten. die nähe von martin vanselow und johannes schmidt zum ´thema` erzeugt eine hohe glaubwürdigkeit und dichte der darstellung. die katze beleuchtet auch schattenseiten: soziale probleme, konflikte zwischen tradition und moderne oder den klimawandel. die region wird nicht verkitscht, sondern realistisch und kritisch porträtiert.

Das Partikulare wird zum Exemplarischen, „Schmieds Katze“ wird zum kulturellen Gedächtnis, das verschwindende Lebenswelten bewahrt.

diese artifizielle regioliteratur thematisiert lokale identitäten, alltagsmythen oder regionale sprachbilder. die sauerländische landschaft, orte, der regiolekt, traditionen und das alltagsleben werden nicht als kulisse verwendet, sondern prägen die katze tiefgehend. félin murr liefert oft ein genaues psychogramm des sauerlands und thematisiert regionale Probleme oder historische Hintergründe. die beschreibungen sind detailliert und evocativ, sodass die betrachter die region wiedererkennen können – ohne in klischees abzugleiten. das langzeitprojekt „Schmieds Katze“ verbindet die regionale volkskultur mit der modernen sprache – die eigenständige herangehensweise von martin vanselow und johannes schmidt geht über genretypische klischees hinaus und bietet neue perspektiven, es ist eine künstlerische Strategie, die das lokale ins universelle hebt.

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Schmieds Katze, von Johannes Schmidt. Edition Das Labor 2025

Weiterführend Auf KUNO porträtierte Holger Benkel die Brüder Grimm. Einen Hinweis auf seine in der Edition Das Labor erschienen Essays finden Sie hier.

Die Vermessung des Sauerlands führt zur Verständnis des Ganzen. Ob Möhne oder Ruhr letztendlich sind alle und ALLES durchströmt von Flüssen… übersehen wir daher nicht den Hinweis und bewegen uns gegen den Strom… „Zu den Quellen

Der Herausgeber würdigte den Fotographen Martin Vanselow, dessen Streetphotography er sehr schätzt. Er freut sich über die Zusammenarbeit für diese Online-Publikation weil Vanselow nicht nur faszinierende Bilder aus dem Alltag hervorholt, sondern weil diese Momentaufnahmen nebenher auch großartige Sozialstudien sind.

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